Vom Akt zum Fresko

9. Mai bis August 2008

Die Kunstgeschichte hat in den vergangenen Jahren verstärkt ihren Blick auf die Zeit des frühen Klassizismus gerichtet. Opulente Monographien (wie Steffi Roettgens Bänden zu Anton Raphael Mengs oder Edgar Baumgartls Werk über Martin Knoller) widmeten sich einzelnen Künstlern, ambitionierte Ausstellungen (wie der „Herbst des Barock“) ganzen Dynastien und deren Umfeld.

Bisher wenig beachtet blieb der Tiroler Maler Joseph Schöpf (1745 – 1822), der doch im deutschsprachigen Raum als eine der interessantesten Künstlerpersönlichkeiten dieser Zeit gelten muss. Schöpfs frühe Biographie ist bewegt wie kaum eine andere. Aus dem noch dem Barock verhafteten Umfeld seiner Heimat kommend wurde er Schüler von Martin Knoller, erfuhr die eigentliche Prägung aber schließlich an der Römischen Accademia di S. Luca. Die Prinzipien der Akademie wurden ihm zur unbedingten Grundlage seines eigenen künstlerischen Schaffens. Nach sieben Jahren in Rom kehrte er nach Tirol zurück. Sein Oeuvre als Freskant und Tafelbildmaler wurde bereits von Zeitgenossen stark beachtet und gelobt. Werke finden sich vor allem in Nordtirol, Südtirol und Süddeutschland. Dem Münchner Generalinspektor Georg von Dillis galt Schöpf 1810 als der „erste damalige Freskomaler“ in Tirol.

Eine Besonderheit macht Joseph Schöpf zum faszinierenden Forschungsgegenstand: Sein künstlerischer Nachlass ist vollständig überliefert. Annähernd 3000 Objekte dokumentieren vor allem seine Arbeitsprojekte.

Der Nachlass schafft damit eine phantastische Ausgangslage. Eigentlich gehört der Nachvollzug von Schaffensprozessen zu den wichtigsten Forschungsinstrumenten. In den meisten Fällen bleibt dieser Erkenntnisweg aber verschlossen. Das fehlende Bewusstsein für den künstlerischen Wert von Entwurfsmedien hat insbesondere aus älteren Zeiten Material nur ausnahmsweise bewahrt. Ausschließlich als Basis und Hilfsmittel für die Ausführung verstanden und womöglich während der technischen Umsetzungsprozesse beschädigt, blieb nach der bestimmungsgemäßen Verwendung nur eine Auswahl der Vorarbeiten für die Muster- und Übungssammlungen der Ateliers und Werkstätten interessant.


Trotz eines für das 17. und 18. Jahrhundert feststellbaren wachsenden Interesses am Entwurf hat sich auch aus dieser Zeit Werkmaterial eher zufällig und unsystematisiert erhalten. Der Blick auf vollständige Entwurfskampagnen einzelner Projekte bleibt fast immer verwehrt. Wo er zu gelingen scheint, bleibt er in Wahrheit doch ausschnitthaft und unpräzise.
Den stärksten Kontrast zu dieser allgemeinen Forschungssituation bildet eben die Überlieferungslage für das Oeuvre des Tiroler Malers Joseph Schöpf. Sein im Kloster Stams verwahrter Nachlass spiegelt in eindrucksvoller Weise die Biographie des Malers wider. Am umfassendsten ist im Stamser Nachlass aber der Werkprozess zur Ausmalung der Klosterkirche Asbach im Rottal belegt. Mit weit mehr als 60 Entwürfen dürfte das 1784 kurz nach Schöpfs Rückkehr aus Rom geschaffene und bereits von Zeitgenossen hoch gelobte Hauptwerk des Tirolers in seiner Entstehung so gut dokumentiert sein wie kaum ein anderes Werk der Kunstgeschichte. Asbach und Schöpfs Nachlass eröffnen damit eine nahezu einzigartige Gelegenheit, einen detailgenauen Blick auf die Arbeitsweise eines aus barocker Tradition kommenden, akademisch gebildeten Freskanten zu gewinnen. Verblüffend wirkt die aus dem akademischen Denken stammende Arbeitsstrategie, systematisch jede Figurenkomposition über Aktstudien nach dem lebenden Modell vorzubereiten, die sich mangels erhaltenem Entwurfsmaterial am Oeuvre keines anderen im süddeutschen Sprachraum arbeitenden Künstlers bisher so beobachten ließ.
Die Ausstellung „Vom Akt zum Fresko“ widmet sich einführend der Thematik, Joseph Schöpf als Maler des Frühklassizismus darzustellen. Den Schwerpunkt bildet aber der Nachvollzug des gesamten Werkprozesses für die Freskierung der Klosterkirche Asbach, der prototypisch für andere Werkkampagnen Schöpfs, seiner Zeitgenossen und Vorläufer stehen kann. Der Titel der Ausstellung zeigt sich als Programm. Eine detaillierte, auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Publikation soll als Begleitband entstehen.


Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 17 Uhr
Führungen nach Anmeldung möglich
Informationen: Kulturreferat des Landkreises Passau,
Tel. 0851 94960 - 15
oder Museum Kloster Asbach
Tel. 08533 2300
kulturreferat@landkreis-passau.de
Eintritt: Erwachsene 3,00 €
Ermäßigt/Gruppe 2,00 €
Kinder 1,00 €
Familienkarte 6,00 €