Ein Zweigmuseum


Kloster Asbach – Ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums

Der in den staatlichen Museen bewahrte Kunstbesitz Bayerns konzentriert sich nicht allein auf die Landeshauptstadt München. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden in den einzelnen Regierungsbezirken bedeutende Filialgalerien, deren Gemäldebestände oft auf die jeweiligen Kunstlandschaften hin ausgerichtet waren. In Anknüpfung an dieses bewährte System der Zweiggalerien verabschiedete die Bayerische Staatsregierung 1979 ein umfassendes Museumsentwicklungsprogramm, um die kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen des Freistaats gleichermaßen in allen Landesteilen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der Grundlagen dieses ambitionierten Plans gründete das Bayerische Nationalmuseum bald eine Zahl verschiedenartiger Zweigmuseen. Heute unterhält das Haus an der Münchner Prinzregentenstraße landesweit 13 Filialen, von Kempten bis Kronach, von Ichenhausen bis Regensburg. Bevorzugt werden die Zweigmuseen in markanten Baudenkmälern eingerichtet, die nach sorgfältiger Restaurierung und Adaptierung somit architektonisch zu frischem Glanz und funktional zu sinnvoller Zweckbestimmung gelangen.

Zu den erfolgreichsten Gründungen zählt das Zweigmuseum in Kloster Asbach, das sich seit seiner Eröffnung im Jahr 1984 einer lebhaften Resonanz erfreut, wie es sich auch in den konstant hohen Besucherzahlen widerspiegelt. Der erfreuliche Zuspruch, der dem Museum seit gut eineinhalb Jahrzehnten zuteil wird, erklärt sich schon aus der landschaftlich reizvollen Situation wie aus der prominenten Lage im Bäderdreieck, der ein ständig sich erneuernder Besucherzustrom verdankt wird. Entscheidender noch ist die herausragende Stellung, die Kloster Asbach im kulturellen Leben der näheren und weiteren Region – bis hin nach Oberösterreich – behauptet. Hier manifestiert sich der außerordentliche Einsatz des Landkreises Passau, der in Kloster Asbach regelmäßig Ausstellungen auch größeren Umfangs veranstaltet. Zugleich aber ist diese überaus wichtige Rolle Asbachs auch das Resultat des enthusiastischen Engagements des vor 25 Jahren gegründeten Kulturkreises Kloster Asbach e.V., der nicht nur die weitgehend schon dem Verfall preisgegebenen Konventsgebäude angekauft und dank privater Spenden wie öffentlicher Zuschüsse renoviert hat, sondern auch durch kontinuierliche Aktivitäten in verschiedensten Kunstbereichen Kloster Asbach zu einem weit über den Landkreis hinaus ausstrahlenden Kulturzentrum hat werden lassen. So stellt das Zweigmuseum in Kloster Asbach geradezu einen Idealfall unter den Filialen des Bayerischen Nationalmuseums dar, da die Vielzahl der kulturellen Veranstaltungen entscheidend zur intensiven Belebung des gesamten Komplexes und somit auch des Museums beiträgt.

Gelegentlich veranstaltet das Bayerische Nationalmuseum in seinen eigenen Räumen in Kloster Asbach auch selbst Wechselausstellungen, etwa zu volkskundlichen oder kunsthandwerklichen Themen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Bayerischen Nationalmuseums aber muss – gemäß der inhaltlichen Definition der staatlichen Zweigmuseen – primär auf der ständigen Ausstellung umfassenderer Bestände liegen, die dem Besucher einen zusammenhängenden Überblick über größere Komplexe vermitteln. Die im Erdgeschoss eingerichtete Abgusssammlung – eine einzigartige Präsentation historisch bedeutsamer Abformungen von Skulpturen des altbayerischen Raums - gewinnt gerade angesichts der dramatisch zunehmenden Umweltschäden ständig an Aktualität: Mittlerweile stark in Mitleidenschaft gezogene Bauplastiken, wie etwa die am Regensburger Dom, sind heute nur noch in Asbach in ihrem früheren Zustand zu sehen – ganz abgesehen von Bildwerken, die, wie etwa in Nürnberg, im Zweiten Weltkrieg der Zerstörung anheimfielen, so dass allein noch die in Asbach ausgestellten Abformungen ihre Erscheinung zuverlässig überliefern. Darüber hinaus ermöglicht die Asbacher Abgußsammlung, in der ideellen Zusammenführung ausgesprochener Meisterwerke der mittelalterlichen Bildhauerkunst, überraschende Einsichten und Vergleiche, die sich nicht nur dem informierten Spezialisten, sondern - dank der didaktischen Erläuterungen – auch dem interessierten Besucher erschließen.

Während die gewölbten Räume im Erdgeschoss feste Installationen begünstigen, sind im lichten Obergeschoss des Zweigmuseums eher mobile Einrichtungen insbesondere mit Vitrinen möglich. Einen nachdrücklichen Akzent bildet die überragende Sammlung kunstvoll geschmiedeten Eisens, die von jeher zu den bekanntesten Objektbeständen des Bayerischen Nationalmuseums gehört. Hier finden sich Schlösser und Schlüssel, Truhen und Kästchen, Beschläge und Geräte in aufwendiger Gestaltung, aber auch großformatige Werke wie etwa Grabkreuze oder Zunft- und Wirtshausschilder. Somit ergibt sich insgesamt ein vielfältiges Bild qualitätvoller Schmiedeeisenkunst, wie es derart konzentriert in keiner anderen Sammlung Deutschlands anzutreffen ist.

Das Thema des technisch wie formal anspruchsvollen Kunsthandwerks setzt sich in den anschließenden Räumen fort, die in systematischer Klassifizierung verschiedenartigste Geräte und Gefäße aus Zinn, Messing, Kupfer und Bronze vor Augen führen. So bilden die Objekte geradezu ein illustriertes Handbuch historischer Metallkunst von ausgeprägter Formschönheit und differenzierter Funktionalität.

Nach Umfang und Qualität braucht die Asbacher Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums keinen Vergleich mit den großen Museen Europas zu scheuen.

Auch das zweite Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums im Landkreis Passau – das Keramikmuseum Schloß Obernzell - gilt den Erzeugnissen des Handwerks. In Obernzell stehen jedoch ausschließlich Objekte der Keramik im Mittelpunkt, die zudem einen unmittelbaren Bezug zu Obernzell aufweisen, da der Ort – einst „Hafnerzell“ genannt – zu den wichtigen Herstellungszentren speziell der graphitierten Schwarzware zählte. Damit weist das Keramikmuseum in Obernzell enge Beziehungen zu weiteren Museen in Ostbayern auf, die Themen der ortsspezifischen handwerklichen oder auch industriellen Produktion gewidmet sind.



So ist das Bayerische Nationalmuseum nach Kräften bestrebt, in seinen Filialmuseen – bei bewusster Berücksichtigung regional bedeutsamer Akzente – die eigenen Sammlungen in ansprechender Auswahl und attraktiver Gestalt zu präsentieren, in intensiver Zusammenarbeit mit Kommunen, Landkreisen und Bezirken wie auch in enger Verbindung mit Fördervereinen mäzenatischen Charakters, unter denen der Kulturkreis Kloster Asbach e.V. einen exemplarischen Rang einnimmt.

Renate Eikelmann